Entspannen mit (Neo)Nazis und Rassisten im Spaßbad?

Wer geht nicht gerne schwimmen und entspannt sich in seiner Freizeit in einem Spaßbad? Genau, es wird wenige Menschen geben die sich dieser Form der Freizeitgestaltung unbedingt entziehen wollen. Somit sind Spaßbäder auch ein Querschnitt durch die Gesellschaft und ja, das ist sicherlich auch gut so, denn es gibt schon genug Bemühungen die Menschen auseinander zu differenzieren und den Hass zu fördern.

Aber es fällt auf, dass sich in letzter Zeit die Vorkommnisse häufen bei denen man in Schwimmbädern/ Spaßbädern (in Sachsen, denn darauf beziehen sich meine Beobachtungen) Tätowierungen sehen muss, welche einem den Spaß am baden nehmen können. Die Träger_innen dieser Tätowierungen sind sich offensichtlich ihrer Sache und ihrer Überzeugung so sicher, dass sie davon ausgehen das die Menschen um sie herum ebenso denken wie sie selbst. Ihre Selbstwahrnehmung ist geprägt von einem tiefsitzenden Gefühl der Akzeptanz ihrer Mitmenschen. Genau dies ist das Grundproblem. Nicht der einzelne Rassist mit seinen Symbolen ist das eigentliche Problem, es sind die schweigenden Menschen dieser Gesellschaft.

So finden sich unter den Tätowierungen Symbole wie das Keltenkreuz, die Schwarze Sonne oder die Triskele aber ebenso die bekannten Zahlencodes wie 88 (Heil Hitler), 28 (Blood & Honour), 444 (Deutschland den Deutschen) oder 1488 (Fourteen Words von David Eden Lane). Alternativ wird auch gern das Eiserne Kreuz oder vergleichbares auf den Körper tätowiert. Niemand scheint sich offensichtlich an diesen Symbolen zu stören. Die netten Familienväter mit den Tätowierungen fühlen sich ganz im Gegenteil als akzeptierter Teil der Mehrheitsgesellschaft und generieren sich wie die Silberrücken dieser Mehrheitsgesellschaft. Dies ist aber nur möglich, weil die Mehrheit der Menschen hier schweigt. Es ist nicht die alleinige Aufgabe der Polizei diese Menschen zu bekämpfen, wenn diese zu Gewalt und zu Hass greifen. Es ist Aufgabe der Gesellschaft, wenn sie sich als antirassistisch und demokratisch begreift, diesen Menschen mit ihren Tätowierungen zu zeigen: Ihr entsprecht mit Eurer Haltung nicht der Mehrheitsmeinung dieser Gesellschaft! Ihr seid mit Euren Botschaften des Hasses nicht willkommen! Wir solidarisieren uns nicht mit Euch!

Der Populismus wird umso mächtiger, umso mehr Menschen schweigen und sich durch eben diesen Populismus vertreten lassen, denn der Populismus behauptet ja die schweigende Mehrheit zu vertreten, welche nicht den Mut habe offen zu sprechen. Aber dies ist ein Trugschluss, denn auch hier in Sachsen will die Mehrheit der Menschen nicht Gewalt, Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Hass. Aber die Menschen engagieren sich auch nicht dagegen. Solange sie selbst nicht betroffen sind, tendieren sie zu gefährlicher bis ignoranter Passivität. Genau dies aber unterstützt die Rassisten in ihrem fatalen Glauben die Mehrheitsgesellschaft zu vertreten und wichtige Mitglieder der Gesellschaft zu sein.

Also: Mehr Zivilgesellschaft, mehr Demokratie und weniger Passivität ist der einzige Weg den menschenfeindlichen Rassisten das Wasser, in dem sie sich bisher suhlen und erholen können, abzugraben. Wir benötigen ein Programm zur Förderung demokratisch zivilgesellschaftlicher Gruppen/ Initiativen/ Vereinen, welche sich vermehrt beteiligen/ einbringen und öffentliche Präsenz zeigen müssen. Selbstverständlich darf dabei nicht der Bereich der Bekämpfung rassistischer Gruppierungen und ihrer Gewalt vernachlässigt werden. Es ist Zeit zu handeln, denn sonst endet die Geschichte im bereits erlebten Drama.

Die Geschichte lehrt uns, dass weg schauen, weg ducken und sich ins Private zurückziehen das rassistische nationalistische Grauen nicht aufhalten kann – ganz im Gegenteil befördert diese passive Haltung die Entstehung dieser Hass erfüllten Bewegungen.

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