Oder die Frage wie sich das Verhältnis zwischen Israel und dem christlichen Fundamentalismus in Deutschland gestaltet.
Was sind das für Leute, die zu Tausenden ihre Solidarität mit Israel bekunden, israelische Fahnen schwingend durch die Straßen ziehen und lauthals »Gott segne Israel« ausrufen? Was meinen deutsche Christen aus dem evangelikalen Spektrum, wenn sie davon reden, sie wollten »über Gottes Heilsplan mit seinem auserwählten Volk« aufklären? Was steckt dahinter, wenn fundamentalistische Organisationen Spenden für allerlei Projekte in Israel akquirieren – in einer Höhe, die Vertreter/innen des etablierten Kirchenbetriebs das Staunen (oder je nach Lesart: das Fürchten) lehren? (Siehe: Kloke, Martin (2006): ”Gott segne Israel” - Christliche Zionisten in Deutschland zwischen Israel-Solidarität und Endzeitfieber.)
Dr. Martin Kloke stellt einige sehr interessante Fragen und versucht Antworten zu finden zu einem Thema, dass in Deutschland bislang immer noch wenig Beachtung gefunden hat. Selbstverständlich kann man die Position von Herrn Kloke nicht als der Weisheit letzten Schluss verstehen und das sollte man auch nicht. Doch wird durch das Beziehungsgeflecht zwischen christlichem Fundamentalismus und christlichem Zionismus eine äußerst interessante Gemengelage in einem religiösen Milieu offenbar. Sein Artikel ist auf jeden Fall nicht uninteressant und macht auf ein Phänomen aufmerksam, dass innerhalb der Deutschen Öffentlichkeit bislang kaum wahrgenommen wird.
Vor allem sein kurzer Überblick der Organisationen, die sich in diesem Umfeld stark machen, zeigt wie vital und auch gut organisiert einige Teile dieser Bewegung sind. Spätestens wenn sich im Dunstkreis dieser Bewegung Apokalyptiker stark machen und versuchen ihre Positionen in die Mitte einer Gesellschaft zu tragen, ist meiner Meinung nach Vorsicht angebracht. Was diese Gruppen mit ihren Aktionen genau bezwecken und von welchen Vorstellungen sie dabei angetrieben werden , sind Aspekte die so oder so für verschiedenste Fragestellungen (wie z.B. die Frage danach, inwiefern diese Gruppierungen mit ihren Aktionen auf den Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern positiv oder gar negativ einwirken) nicht uninteressant sind.
Es wird Zeit, dass sich die Öffentlichkeit mit dem »Endzeitfieber« fundamentalistischer Milieus nachhaltig beschäftigt und die geistige Auseinandersetzung aufnimmt. Mit dem bloßen Beschweigen und Verdrängen dieses »Pulverfasses« würden wir uns und unserer Gesellschaft einen Bärendienst erweisen. (Siehe: Kloke, Martin (2006): ”Gott segne Israel” - Christliche Zionisten in Deutschland zwischen Israel-Solidarität und Endzeitfieber.)
Daher ist die Aufforderung – so meine ich – die Martin Kloke in seinem Beitrag formuliert sinnvoll, denn ohne eine solche Auseinandersetzung bleiben in Diskussionen evtl. wichtige Aspekte und Faktoren unentdeckt. In diesem Punkt stimme ich mit Martin Kloke vollständig überein.
Der ganze Artikel befindet sich auf der Internetseite der Evangelischen Akademie Bad Boll: PDF.
Beachtenswerter Beitrag.Ich habe einige gute Gedankenanstoesse gekriegt. Warte auf weitere Posts zum Thema.